Intern
Lehrstuhl für Indologie

Vierwöchige Hindi-Intensivkurse mit außercurricularem Programm und Exkursionen finden jährlich im Februar/ März in Jaipur statt, geleitet von muttersprachlichen Dozenten der Universität Jaipur. Es werden zwei Stufen angeboten:  Anfänger (mit Vorkenntnissen) und Fortgeschrittene. Voraussetzung: Der Anfängerkurs ist konzipiert für Studierende nach Abschluss des  2./3. Semesters Hindi, bzw. des sprachpraktischen Semesters am SAI Heidelberg.  Der Fortgeschrittenenkurs eignet sich für Studierende ab dem 4. Fachsemester, sowie für Doktoranden. Nähere Informationen und Anmeldung bei barbara.lotz@uni-wuerzburg.de.


Erfahrungsbericht Jaipur Februar/März 2009

Es ist ja schon etwas Besonderes, das erste Mal in Indien. Vor allem wenn man Indologe ist: gefallen einem das Land und die Kultur nicht nur aus der Ferne, sondern auch vor Ort? Kommt man mit den Leuten zurecht? Für einige von uns Würzburger Indologen stellt der Sprachkurs in Jaipur genau dieses erste Mal dar, so auch für mich.

Da war ich also, und nur wenige Monate trennten mich von Indien. Nun ist es ja so, dass gerade Indien eines der Länder ist, die in unserer Vorstellung so überladen sind: mit Märchen, mit Palästen, mit Frauen in Saris, mit Prunk - der Orient eben. Indien, Märchenland?

Natürlich sind da noch die ganz anderen Bilder von Indien in den Köpfen der Menschen: Indien, ein Land der Armut, der Krankheit, unterentwickelt - willst du wirklich gerade da hin?!

Was soll man denn da erwarten? Ja, was? In einem Land, das auf seine ganz eigene Art so völlig anders ist als unser Europa, da kann der Kulturschock eigentlich gar nicht ausbleiben, auf die eine oder andere Art. Daran kann ich mich noch genau erinnern: wir verlassen den Flughafen, die Hitze schlägt über uns zusammen, Menschenmengen um uns, wir kämpfen uns mit unseren schweren Rucksäcken zu einem Taxi durch. Wir zeigen dem Taxifahrer unser Zettelchen auf dem steht, dass wir das Taxi im Voraus bezahlt haben, er winkt uns in sein Taxi und los geht’s. Hinein in den indischen Verkehr - und der ist nun echt ein Erlebnis. Überall wimmelt es nur so von Menschen, von Fahrrädern, von Rikshas, von... und zuerst kämpft man nur damit seine Angst zu überwinden: "oh Gott, wir werden alle sterben!!" Ja, allein der indische Verkehr ist schon ein Kulturschock für sich.

Und weil Indien so verwirrend, so voll, so laut, so bunt, kurz: so vollkommen reizüberflutet sein kann, ist es besonders wichtig, dass man alles tut, um sich von vornherein einigen Ärger aus dem Weg zu schaffen. Trotz aller Vorbereitung, aller erworbenen interkulturellen Kompetenz ist die kulturelle Umstellung schon Kräfte zehrend; da kann man es nicht gebrauchen, dass unnötige Kleinigkeiten nach Aufmerksamkeit rufen.

Vorbereitung

Wie bereitet man sich also am besten vor? Indem man vorher miteinander spricht, gegenseitig Ideen austauscht, was man alles braucht, gemeinsam Besorgungen unternimmt - so vielleicht einfach das Flugticket zusammen kauft. Vor allem wenn man das erste Mal eine so große Reise unternimmt, fühlt man sich doch wesentlich wohler und sicherer, wenn man merkt, dass man nicht alleine ist, sondern noch mehr Leute im selben Boot sitzen. Also einfach mal vorher kurz absprechen: wer will von wann bis wann in Indien bleiben? Wer möchte vorher/hinterher noch Reisen? Wessen Wünsche überschneiden sich? Auch praktisch: allgemeine Besorgungen verteilen, zum Beispiel eine gemeinsame Reiseapotheke, die dann in Indien bei Bedarf jedem offen steht. Kleiner Lebensrettertipp an dieser Stelle: Durchfallmittel, Grippetabletten und Taschentücher (der ganz ordinäre Schnupfen wird nämlich gerne vergessen und kann richtig unangenehm werden, wenn er einen unvorbereitet erwischt) aber vor allem: in Wasser auflösbare Elektrolyte - glaubt mir, ihr werdet sie brauchen! Irgendwann erwischt das indische Essen jeden.

Auch ganz praktisch: statt Koffer einen großen Trekkingrucksack. Besonders wenn man hinterher noch reisen will. Nicht auszudenken einen Koffer durch die Gegend zu wuchten, wenn man sich den Rucksack einfach auf den Rücken schnallen kann.

Was den Inhalt anbetrifft, so sollte man zwei Dinge im Kopf behalten: Jaipur ist kein Eingeborenendorf im tiefsten Dschungel von Assam. Man bekommt dort praktisch alles was man braucht. Außerdem: Indien ist ein Land, das zum Einkaufen lockt - und das kann viiiiiel Platz im Koffer verbrauchen. Daher vielleicht nur mit 13-15 Kilo statt der erlaubten 20 los fliegen (es ist machbar!), die Tasche wird schon voll werden! Gerade die Damen der Schöpfung brauchen sich nicht zu viel Kleidung mitnehmen, denn wenn einen Salwar Kameez ansprechen, dann sollte man sich in Indien wirklich damit eindecken. Es gibt wohl kaum ein bequemeres Kleidungsstück, auch bei einer solchen Hitze. Außerdem entspricht es den Anstandsstandards, die in Rajasthan doch noch mal ein bisschen höher liegen als im Rest von Indien. Also Schultern und Knie am besten bedeckt halten, eventuell Oberteile die auch über den Po gehen, und kein zu gewagtes Dekolltée - das kommt super an, und man wird dafür gelobt, dass man sich nicht "wie ein Westler" kleidet.

Rechtzeitig Reisepass auf Gültigkeit prüfen und um Visum kümmern ist ja klar - auch wenn die indische Visumsstelle in München recht fix ist und ein Visum für gewöhnlich innerhalb von einer Woche ausstellt.

Was das liebe Geld angeht, das ist ganz davon abhängig, wie viel man zu kaufen vorhat. In Jaipur selbst braucht man sich eigentlich nur eine Mahlzeit am Tag kaufen, für den Rest ist gesorgt. Außerdem überlebensnotwendige Chips, Wasser, Cola, Mazaa, Limca, Süßkram eben. Aber weil das in Indien nicht besonders teuer ist, fällt das nicht ganz so ins Gewicht. Anders sieht es aus, wenn man in Indien einige Besorgungen machen möchte und Reisen will. Hat man vor auch einzukaufen, dann kann man ruhig mal 200-300 Euro schon am Flughafen bei Thomas Cook eintauschen. Dann merkt man ja, wie man hinkommt. Sollte es nicht reichen, dann kann man sich z.B. bei Citybank jederzeit noch etwas abheben, auch mit der ganz normalen EC Karte (die anfallenden Abbuchungsgebühren sind vertretbar bei ca. 5 Euro).

Ankunft in Delhi

Kommt man also am Flughafen in Delhi an, dann sollte man sich im Flughafen noch ein Ticket für ein prepaid Taxi kaufen - dann fällt schon mal Verhandeln um einen Preis weg, was anfangs wirklich lästig sein kann. Sich um eine Unterkunft vorher kümmern ist nicht unbedingt nötig, man sollte halt einen Reiseführer dabei haben, in dem sich verschiedne Unterkunftsalternativen finden. Auch dann kann man natürlich Pech haben - wie wir damals. Im Endeffekt haben wir uns von unserem Taxifahrer in ein offizielles Reisebüro karren lassen, und durften dort kostenlos bei einigen Hotels durchklingeln, bis wir endlich eins fanden, das noch ein Zimmer frei hatte (wir hatten aber auch das Pech, dass gerade irgendein Feiertag war). Auch nicht die schlechteste Methode, man darf sich halt nur keine Stadtführung oder ähnliches aufschwatzen lassen. Überhaupt sollte man in Indien sehr vehement (aber nicht unfreundlich! Immer gelassen bleiben) sein, wenn einem die Leute versuchen etwas aufzuschwatzen oder zu etwas zu drängen - so ist es uns passiert, dass die Kofferträger im Hotel uns zu mehr Trinkgeld drängen wollten, und wir im Endeffekt viel zu viel Trinkgeld gegeben haben. Unwissenheit wird gerne ausgenutzt. 10 Rupees sind durchaus genug Trinkgeld für nur einen kleinen Handlangerdienst!

Abgeholt und nach Jaipur gebracht wird man ab dem Max-Müller Bhavan, dem Goethe Institut von Delhi. Wichtig: unbedingt genaue Adresse, auch mit Angabe der Marg (Straße), aufschreiben, sonst findet der Rikshafahrer das unter Umständen nicht.

In Jaipur - Allgemeines

Und ab da ist es dann auch schon vorbei mit dem auf sich alleine gestellt sein. Ab jetzt folgt das Rundum-Sorglos Paket. Fahrt mit dem Kleinbus nach Jaipur. Einfach zurücklehnen, die Landschaft an sich vorbei ziehen lassen, endlose Felder. In Jaipur mit Blumenketten begrüßt werden, in der Dunkelheit von Hemant-ji und Professor Surana ein herzliches Willkommen. Leicht schläfrig entspanne ich mich in dem gemütlichen, geflochtenen Holzsessel und höre einfach nur zu - wir werden ganz lieb begrüßt im perfekten Deutsch von Hemant-ji und Professor Surana, bekommen unsere Stundenpläne, werden noch mal kurz über Yoga, Tanzen, Tabla informiert, Abendessen, Zimmerverteilung. Ein glückliches Gefühl macht sich breit - jetzt bin ich also tatsächlich in Indien!

Überhaupt befindet man sich immer in einem sicheren Netz von Beziehungen, für den Fall das etwas passiert - und sei es, dass Hemant-jis Bruder Arzt ist und sich immer gleich um unsere Kranken kümmern konnte. Außerdem haben wir einen Kleinbus, der uns zur Schule bringt, zu unseren Nachmittagsaktivitäten oder auch einfach mal zur Bank oder in die Stadt zum Einkaufen. Immer wieder kommt Hemant-ji Mal am Abend vorbei, fragt wie es uns geht, was er für uns tun kann, sorgt sich rührend um uns. Da er auch ein Reisebüro betreibt, hilft er uns auch bei Plänen für unsere Zeit nach Jaipur: sei es nun, dass wir einen Flug umbuchen wollen, oder eine Kameltour in Jaisalmer machen wollen. Gerade letzteres kann ich nur wärmstens empfehlen: wer gerne eine Kameltour machen möchte, lasst sie euch von Hemant-ji organisieren. Er wird euch an ein supernettes Hotel und gute Kamelführer (die idealen Hindi-Testdummies, immerhin sitzt man mitunter stundenlang auf demselben Kamel) vermitteln! Außerdem kann er auch bei Wochendausflügen während unserer Zeit in Jaipur helfen. Wir zum Beispiel konnten einen Tagesausflug nach Fatepur Sikri und zum Taj Mahal mit unserem Kleinbus unternehmen. So konnten wir ganz entspannt selbst entscheiden, wann wir wo und wie lange halt machen wollten und waren nicht auf Züge/Busse etc. angewiesen.

Ansonsten sind die Tage ziemlich ausgebucht mit Sprachkurs, Tanz/Tabla/Yogaunterricht, manchmal kleinen lectures und Tagesausflügen. Auf Schritt und Tritt werden wir umsorgt, man kümmert sich um uns - und das vielleicht schon ein bisschen viel. Im Nachhinein habe ich den Eindruck, dass es wohl besser gewesen wäre, hätten wir mehr auf eigene Faust unternommen. Und wenn es nur die Fahrt zum Bazaar in einer selbst ausgehandelten Riksha gewesen wäre (wir hatten immer unseren Kleinbus, der uns rund um die Uhr zur Verfügung stand). So haben wir zwar wahrscheinlich so einige Katastrophen umschifft - aber ich glaube gerade diese Konfrontation mit Situationen, bei denen nicht alles wie am Schnürchen klappt, das gehört zum Lernprozess Indien schlicht dazu.

Das Abendprogramm

Kathak und Tabla

An dieser Stelle einige Worte zum Abendprogramm: ich selbst habe den Kathak Kurs gemacht, um nicht zu sagen: über mich ergehen lassen. Wenn man den Kathak Kurs machen möchte, dann sollte man das wirklich wollen. Denn: der Kurs dauert lange: wir mussten täglich um fünf Uhr los und kamen gegen Ende erst um halb neun heim; entsprechend ausgehungert ist man. Der Kurs ist anstrengend, oft genug fühlt man sich überfordert oder braucht auch mal schnell eine kurze Auszeit. Zusammen mit unseren Lehrern haben wir da schon die eine oder andere Krise durchstanden. Und man kann sehr schnell mit der indischen Mentalität zusammenrumpeln was Guru-ji anbetrifft. Ich möchte an dieser Stelle niemand von dem Kurs abschrecken, im Gegenteil! Man sollte sich nur bewusst sein, auf was man sich einlässt. Denn wenn man das Wagnis eingeht, wird man tausendfach belohnt. Man bekommt einen Einblick in eine echte indische Großfamilie, wird auch echt total lieb aufgenommen. Und vor allem bekommt man Einblick in sehr traditionelle Lehrstrukturen. Da ist Guru-ji nun mal einfach Guru-ji, einer der besten Kathakleher Rajasthans, und man selbst ist Schüler, und da diskutiert man einfach nicht (oder so diplomatisch wie nur irgend möglich). Was Guru-ji sagt, wird gemacht. Im Gegenzug lehrt er sehr aufopferungsvoll und ihm liegt wirklich an seinen Schülern. Auch seine ganze family: seine Söhne, seine Schweigertochter, deren drei total süße Kinder, sie können einem wirklich ans Herz wachsen. Und trotz allen Frusts, am Abschlussabend, dem Abend der Vorführung: ich stehe da mit den anderen, wir lassen das millionste Foto über uns ergehen, in unseren prächtigen Kostümen, über und über behängt mit Schmuck, angemalt mit Schminke wie an Fasching, alle Leute lächeln und gratulieren uns, bei jedem Schritt klingen die unzähligen Glöckchen an unsern Füßen klar und hell, und dann oben auf der Bühne, wir singen unser Lied: ich sehe Frau Surana im Publikum fröhlich lachen und im Takt die Hände klatschen - da weiß ich: alle Mühen haben sich so unendlich gelohnt!

Ein paar Tipps bezüglich des Kathak Unterrichts: Kleidungsmäßig unbedingt einen Salwar anziehen, oder zumindest eine Kurta, also etwas, was über den Po geht, das ist erwünscht von Seiten Guru-jis. Die Kleidung sollte natürlich dehnbar und gemütlich sein. Immer ausreichend zu Trinken mitnehmen, denn ihr werdet ordentlich ins schwitzen kommen, außerdem ein extra Heft und Stifte mitbringen, denn ihr werdet die klassische Notation der Kathak Tal kopieren und auswendig lernen müssen, außerdem einige Mudras (Handhaltungen) und weitere basic Infos bezüglich Kathak. Getanzt wird mit Glöckchen an den Füßen, die an langen Bändern befestigt um die Beine gebunden werden. Ihr bekommt diese Bänder anfangs geliehen, könnt sie dann aber selbst für ca. 1000 Rupien erwerben. Wer Kathak daheim weiter üben möchte, für den ist das natürlich ideal.

Für die Tablaspieler sah das Programm ziemlich ähnlich aus wie für uns, auch sie wurden mit uns trainiert, im Nebenraum von einem der Söhne von Guru-ji. Zum Tablaspielen gehört eine Menge Fingerspitzengefühl und eine unglaubliche Beherrschung jedes einzelnen Fingers unabhängig von den anderen. Unsere beiden tapferen Tablaspieler waren so manches Mal recht ratlos, wie das funktionieren sollte. Am lustigsten war es immer dann, wenn sie schließlich zu uns in den Tanzraum kommen konnten und uns bei unserem Tanzen begleiten duften. Neben der Begleitung der Tänzer lernen die Tablaspieler auch noch ein kleines eigenes Stück, dass sie dann am Abschlussabend aufführen dürfen (und genauso wie die Tänzer vorher in der traditionellen Notation aufsagen müssen). Nach dem Kurs können Tablas gekauft werden.

Der Yogaunterricht dauerte bei weitem nicht so lange wie unser Tanzen. Dafür berichteten mir alle Yoga-Leute, wie sehr ihnen das Yoga gefiel, wie entspannend es war, und wie toll der richtige Ashram, in dem sie Unterricht hatten.

Yoga

Deswegen folgt jetzt hier ein kleiner Einschub, von jemandem der Yoga gemacht hat:

Wie gesagt, waren wir fünf „Yoga-Leute“ wirklich froh, nicht Kathak gewählt zu haben. Yoga dauerte nämlich wirklich nur eine Stunde und die Fahrt zum Ashram nur fünf Minuten. Das heißt, wir fuhren später los als die Tänzerinnen und waren meist ein bis zwei Stunden eher zurück im Guest House, so dass wir noch in Ruhe duschen konnten oder auch mehr Zeit für Hausaufgaben hatten. Das ist vielleicht auch eine Überlegung wert, und eine Frage die sich jeder stellen sollte: Denn wer wirklich primär zum Hindi lernen und wegen des Kurses nach Jaipur kommt, und von dort auch möglichst viel für die Sprache mitnehmen möchte, der sollte vielleicht wirklich Yoga wählen, denn man hat dann einfach mehr Zeit für „Schulisches“. Mit Kathak bekommt man dafür einfach noch mal die geballte Ladung indischer Kultur ab, und wo die Prioritäten liegen, muss letztlich jeder für sich entscheiden.

So, jetzt zum Unterricht. Wie oben schon gesagt wurde, fand der in einem kleinen Ashram statt, der sich zwar wohl eher auf Touristen spezialisiert hatte, aber übermäßigen Komfort sollte man dort nicht erwarten. Hygiene war indischer Standart. Man legt so übertriebene Reinlichkeit in Indien sowieso ab, deswegen war’s kein Problem. Was ganz wichtig ist: MÜCKENSPRAY. Es gibt dort zwar Fliegengitter, aber die Moskitos sind im Raum und können nicht raus. Außerdem ist es recht schwierig, sich zu entspannen, wenn man von den Biestern malträtiert wird. Wenn man sich vorher eingeschmiert hatte, war’s aber überhaupt kein Problem, die lassen einen dann in Ruhe. Was ihr noch bedenken solltet sind bequeme Sportsachen. Vor allem das T-Shirt darf ruhig etwas länger und höher geschlossen sein, da man sich schon ordentlich streckt und verrenkt, so dass das ein oder andere Körperteil freigelegt wird. Turnschuhe braucht ihr nicht, man ist ja barfuß. Unser Lehrer war sehr nett und verständnisvoll. Anscheinend war er schon an „Westler“ gewöhnt. Der Unterricht fand auf Englisch statt. Am Anfang war es etwas schwierig, ihn zu verstehen, aber die Formeln wiederholen sich ständig, so dass man es am Schluss auswendig mitsprechen könnte. „Now release, and relax. Try to normalize your breathing pattern. Inhale deeply, exhale completely.”

Wenn ihr ihn darauf ansprecht schreibt er euch auch das Sanskrit-Mantra auf, das ihr am Schluss immer sprechen werdet. Keine Angst, sind nur vier Zeilen!

In der ersten Stunde haben wir noch so eine Art Krafttraining gemacht, wie man das bei und auch kennt, mit Auf-der-Stelle-Joggen, Kniebeugen, Liegestützen und so weiter, aber in der zweiten Stunde hat er uns schon erste asanas gezeigt. Nach einer Lockerungs- und Aufwärmphase macht man dann meistens verschiede Figuren durch (am Anfang noch leichte Sachen, zum Beispiel die „Palme“, später dann auch anspruchsvolleres, wie den „Sonnengruß“), manchmal verschiedene Atemübungen, außerdem gibt es am Schluss immer eine Entspannungsübung (wo manche von uns auch hin und wieder eingeschlafen sind, kein Witz!). Natürlich wird auch immer fleißig Om gesungen. Euer Lehrer macht euch auch immer alles vor und korrigiert euch, wenn ihr was nicht verstanden habt.

Denkt, aber nicht, dass Yoga nicht anstrengend ist! Man kommt schon ganz schön ins Schwitzen und kann dabei sicher das ein oder andere Kilo verlieren. Wichtig ist aber, dass ihr nichts machen müsst, was ihr nicht könnt oder wollt. Wenn eine Übung für euch zu schwierig ist, lasst ihr sie einfach aus und steigt bei der nächsten wieder ein. Ich denke aber, es kann nicht schaden, alles erstmal zu versuchen, man ist nämlich zu mehr in der Lage, als man sich selber zutraut.

Was ab dem nächsten Kurs auch neu sein wird, ihr werdet zusammen mit Tänzern und Tablaspielern am Ende des Kurses auf der Bühne stehen. Das Argument „Ich nehm Yoga, damit ich nix aufführen muss“ zählt dann nicht mehr. Aber keine Angst, es wird euch niemand den Kopf abreißen!

Treffen mit indischen Studenten

Was eigentlich wieder stattfinden sollte (im Notfall solltet ihr einfach nachfragen und darauf drängen) ist ein Tagesausflug zusammen mit indischen Studenten, die Deutsch lernen. Die indischen Studenten sind total extrovertiert und offen. Und sie singen gerne. Da ist es praktisch wenn man mit einigen deutschen Liedern aufwarten kann. Außerdem habe ich die Erfahrung gemacht, dass sie sich sehr freuen, wenn man sich ihnen auf dem Ausflug anschließt, aktiv auf sie zugeht. Ich erinnere mich, wie ich am Ghat in Pushkar stehe. Barfuß hüpfe ich die heißen Stufen hinunter, zum Wasser hin. Um mich herum lauter kleine Gruppen von lachenden, betenden und Fotos machenden Indern. Auch wir werden schnell zu Fotoobjekten. Die Stimmung ist gelöst und offen und glücklich. Bald ist schon wieder Zeit weiterzugehen. Ich stehe einige Momente zögernd am Ghat, dann entscheide ich mich plötzlich: ich will mir die Stadt mit einer Gruppe indischer Studenten anschauen, gehe einfach zu ihnen hin, fange das Gespräch an, und schwups! Alles so unkompliziert. Es lohnt sich wirklich. Ein Tag, an dem man ein Mischmasch aus Hindi, Englisch und Deutsch spricht, und so einige Wörter dazu lernen kann. Und wenn es irgendwie geht: Handynummern austauschen, wenn man sich eine indische Karte zugelegt hat (was wirklich sehr sinnvoll ist! Unbedingt NICHT mit der deutschen Karte telefonieren, das ist noch VIEL teurer als man denkt!!) oder auch e-mail Adressen. Vielleicht schafft man es, sich für einen Wochenendtag zu verabreden? Die indischen Studenten kennen Jaipur natürlich supergut und wissen, was man gesehen haben sollte, wo man hingehen kann. Aus eigener Erfahrung kann ich nur sagen: lohnt sich absolut!

Wie ihr seht: das Freizeitprogramm ist randvoll. Leider hat man öfters mal das Gefühl, es wäre zu voll und man wünscht sich etwas mehr Zeit für sich. Doch woran sparen, die Frage fällt schwer.

Unsere Unterkunft: das Sumer Niwas

Mit unserer Unterkunft im Sumer Niwas hatten wir es gut getroffen: Kioske, Internetcafé, Restaurants, der Bazaar Raja Park, Birla Mandir und sogar ein kleiner süßer Buchladen ganz in der Nähe, und auch der zentrale Markt in der Innenstadt war per Riksha schnell zu erreichen. Die Infrastruktur war also schon mal nicht schlecht, aber besonders lieb gewonnen habe ich am Sumer Niwas das Personal, allen voran den immer gut gelaunten Mohan - die idealen Versuchsobjekte für eigene Hindiversuche: Engelsgeduld, immer hilfsbereit, und total happy wenn man sich durch einige Hindisätze quälte und tatsächlich versuchte ihre Sprache zu sprechen. Und Spaß verstanden sie auch - und auf Hindi Witzchen reißen macht ja auch gleich doppelt Spaß! Gerade Mohan ist für jeden Spaß zu haben (nicht unbedingt gerade vor dem Papa seines Bosses, der auch im Guesthouse wohnt) und lädt einen auch gerne Mal ein, in der Küche beim Kochen zuzuschauen und zu schwatzen. Die allerwichtigste Regel hier: auf die Leute zugehen. Aktiv versuchen mit ihnen ins Gespräch zu kommen. Einfach mal einladen sich dazu zu setzen und zum Beispiel ein Kartenspiel mitzuspielen. Und versuchen wirklich so weit wie möglich bei Hindi zu blieben. Natürlich kommt man um den einen oder anderen englischen Satz nicht rum. Aber nicht aus Bequemlichkeit Englisch benutzen. Auch lustig am Guesthouse: man trifft auf die schrägsten Gäste von überallher aus der Welt. Da war dann auch schon mal ein Gespräch auf Englisch mit Niederländern oder auf Französisch mit Franzosen drin.

Noch ein kurzes Wort zum Essen: man darf sich aussuchen, wann man im Sumer Niwas Essen möchte (neben Frühstück): Mittags oder abends. Sehr praktisch fand ich das Abendessen. Gerade für die Tänzer ist das sehr vorteilhaft, wenn sie völlig ausgehungert und erschöpft heimkommen, sich nur noch in die Korbstühle fallen lassen müssen und das Essen vor ihre Nase gestellt wird. Vielleicht mit den Yogaleuten ausmachen, dass die schon früher essen, bevor sie verhungern. (An dieser Stelle noch eine Anmerkung von Yoga-Seite. Es war jetzt nicht so schlimm, auf die Tänzerinnen zu warten, und es wäre vielleicht nicht schlecht, zusammen zu essen, ihnen zu liebe, damit sie nicht immer die aufgewärmten Reste bekommen und auch dem Personal zu liebe damit die den Tisch nicht zweimal auf- und abdecken müssen. Außerdem soll man vier Stunden vor Yoga nichts, oder nur leichte Sachen essen, daher wäre es echt schlauer, im Guest House das Abendessen zu nehmen und sich Mittags nur bisschen Obst zu holen.)

Der Unterricht

Jetzt aber zu dem Thema, wegen dem ich überhaupt schreibe: der Sprachkurs selbst. Klar ist natürlich, dass der Erfolg, den einem der Kurs bringt, zu allererst von einem selbst abhängig ist. Da nützen auch die besten Lehrer nichts, wenn man nicht bereit ist, sich trotz der Hitze, trotz der Müdigkeit und trotz der eigenen Unlust hinzusetzen und Vokabeln zu pauken und fleißig die Hausaufgaben zu machen. Trotzdem sollte man nicht mit vollkommen überzogenen Erwartungen an den Kurs gehen: man kann in vier Wochen nur so viel lernen!

Warum der Kurs sich aber auf jeden Fall lohnt: selbst wenn man nicht viele neue Vokabeln oder Grammatik lernt, so lernt man doch eines, nämlich sehr viel fließender zu sprechen. Jetzt ist es nun doch so, dass uns im Unterricht oft recht wenig Zeit bleibt, um Konversation zu betreiben, weil einfach so viel Stoff zu bewältigen ist. In Jaipur hingegen ist man in einer Umgebung, die einen immerzu positiv dazu motiviert Hindi zu sprechen, man muss sich nur darauf einlassen. Und wenn man manche Konstruktion einfach zum eine Millardsten Mal benutzt, dann sitzen die (ich sage nur ne-Perfekt... bis hin zum „mai ne gaya“, uups!).

Ja gut, jetzt aber tatsächlich der Unterricht selbst. Früh um 9 Uhr geht’s los und dauert bis 12:30, eingeteilt in zwei Unterrichtseinheiten mit einer halben Stunde Pause dazwischen, in der Kekse (Parle G mmhh!!) und Chai serviert werden.

Unterrichtet wird von verschiedenen Lehrern, die alle verschiedene Unterrichtsmethoden anwenden. So legt der eine Lehrer mehr Wert auf Vokabeln, der andere auf Grammatik, ein dritter lässt bevorzugt Sätze produzieren und ein vierter möchte besonders viel Konversation betreiben, uns erzählen lassen und allgemein zum sprechen motivieren. Jeder kommt mit den verschieden Unterrichtsstilen unterschiedlich gut klar – was dem einen gefällt, spricht den anderen nicht so an und umgekehrt. Durch den recht guten Mix allerdings ist für jeden etwas dabei.

Die Lehrer sind auch sehr engagiert darin, uns mit gutem Unterrichtsmaterial zu versorgen: alle erstellen selbst Übungsblätter mit Texten für den Unterricht, Vokabeln und Übungen. Leider sind sie dabei alle etwas zu überschwänglich, so das man am Ende einen Haufen Blätter hat, den man gar nicht mehr zu Gänze lernen kann! Auf jeden Fall aber ist das Material abwechslungsreich und interessant; mal ein Besuch auf dem Bazaar, mal etwas über Leben auf dem indischen Land, mal die Geschichte rund um Holi. Und bis auf wenige Ausnahmen waren die Texte auch durchweg alle auf unserem Niveau und gut verständlich.

So ziemlich jeden Tag bekommt man dazu noch eine Hausaufgabe auf, die darin besteht selbst Texte zu produzieren: selbst eine Erzählung schreiben, mit vorgegebenen Wörtern Sätze produzieren oder auch ein grammatisches Phänomen üben. Nie wieder bekommt man die Chance die eigene Textproduktion so oft zu üben und das ganze auch noch stets korrigiert zu bekommen. Was für die eigene Hausaufgabe sehr nützlich ist, ist ein kleines Englisch-Hindi Wörterbuch. Sehr zu empfehlen und so klein, dass es in jede Tasche reinpasst, ist das TeachYourself Dictionary English-Hindi, Hindi-English von Rupert Snell. Vor allem der Teil English-Hindi. Glaubt mir: ich hatte eins dabei und das ist nachmittags stets im gesamten Guesthouse rumgeflogen ;)

Was am Unterricht vielleicht zu kritisieren ist: manchmal war er etwas ungeordnet insofern, dass zwei Lehrer die selbe Grammatik durchnahmen, oder auch Grammatik, die wir selbst zu leicht fanden, dafür Grammatik wegließen, die wir gerne noch einmal eingeübt hätten (z. B. Konditionalsätze). Allerdings ist es so, dass die Lehrer da äußerst flexibel sind: nehmt einfach an der Gestaltung eures eigenen Lehrplans teil und teilt vorher mit, was ihr gerne lernen möchtet, dann sollte auch dieser Mangel zu beheben sein.

Die Abschlussfunktion

Die Abschlussfunction stellt den krönenden Abschluss des Kurses statt. Er wird von der Indo-German-Society in Jaipur organisiert und hier dürft ihr zeigen, was ihr in den vier Wochen neben euerem Sprachkurs gelernt habt. Alle Lehrer und wen ihr sonst noch kennen gelernt habt in Indien wird da sein und ihr könnt einen tollen Abend verbringen. Ganz besonders toll: wenn Frau Lotz es irgendwie hinbekommt, dann schaut auch sie mal kurz in Jaipur vorbei und nimmt an der Abschlussfunction teil. Und das ist natürlich schon was ganz besonders Schönes und Tolles... (vielen Dank Frau Lotz, dass sie es geschafft haben, wir haben uns alle so sehr gefreut!!!)

Noch ein paar Worte zum Schluss

Indien ist einfach ein Land, das viele Ecken und Kanten hat. Auf Indien muss man sich wirklich einlassen, wenn man es lieben lernen will - und ich bin davon überzeugt, dass der Sommerkurs in Jaipur die besten Voraussetzungen für den Einstieg in diese "Achterbahnbeziehung" bietet. Damit der Kulturschock so milde wie möglich ausfällt.

Wenn ihr noch weitere Fragen habt wie: Frances, was war dein Lieblings-Salwar-Kameez-Laden in Jaipur? Wo sollte ich meine Handykarte NICHT kaufen? Wo ist der Buchladen? Wo das Internetcafe? Wo kann ich Passfotos von mir machen lassen (braucht man zum Beispiel für die Handykarte)? Wie war denn so die Kameltour in Jaisalmer? Hindi-Testdummies, was zu Hölle meinst du damit? Dann schickt mir doch einfach eine Mail: franziska.froehlich[at]gmx.net

Auch alle anderen Teilnehmer könnt ihr jederzeit kontaktieren. So waren zum Beispiel von den Fachschaftsmitgliedern fast alle zu unterschiedlichen Zeiten schon in Jaipur. Die E-Mail Adressen findet ihr auf der Fachschaftsseite.

Ach, was mir noch einfällt: ganz ehrlich: viel schlimmer als der Kulturschock, den ich in Indien erlitten habe - bei weitem schlimmer! - war der, den ich bekam als ich zurück nach Deutschland kam...

Verfasst von Franziska Fröhlich mit Anmerkungen und Einfügungen von Lisa Reuter.

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