Intern
Lehrstuhl für Indologie

Indienforschung im Zeitenwandel

Die Entdeckung des Seeweges nach Indien durch Vasco da Gama und seine Landung an der Westküste Südindiens im Jahre 1498 markiert den Beginn der europäischen Expansion in Asien. Seither prägten Berichte von Reisenden, Kaufleuten und Missionaren das Indienbild in Europa.

An der Wende zum 19. Jahrhundert beginnt - mit den britischen Orientalisten in Kalkutta - die wissenschaftliche Beschäftigung mit Sprachen und Kulturen des indischen Subkontinents. Erste Übersetzungen aus dem Sanskrit und die Entdeckung der indo-germanischen Sprachverwandtschaft führen zu einer großen Indienbegeisterung vor allem in Deutschland und zur Einrichtung der ersten Lehrstühle für Sanskrit (A.W. von Schlegel, Bonn 1818). Die weitere Geschichte der Indologie und die Herausbildung einer Religionswissenschaft in Deutschland ist wesentlich von Tübinger Forschern mitgeprägt worden. Die Untersuchung ihrer Forschungsschwerpunkte und ihrer Stellung innerhalb der Indologie soll exemplarisch auch die Zusammenhänge zwischen einem sich immer stärker spezialisierenden und ausdifferenzierenden"Kleinen Fach" und größeren geistes- und kulturgeschichtlichen Strömungen aufzeigen. Den fünf Lehrstuhlinhabern, die zwischen 1856 und 1973 an der Universität Tübingen wirkten, sind zehn Aufsätze gewidmet, die zweierlei leisten wollen: Zum einen eine wissenschafts-, geistes- und kulturgeschichtliche Standortbestimmung der einzelnen Persönlichkeiten und ihres Werks; zum anderen werden wertvolle Archivmaterialien und Dokumente, auch Bilddokumente, erstmals zugänglich gemacht und erschlossen. Sie betreffen sowohl die Anfänge indienbezogener Studien in Tübingen als auch die jüngere Vergangenheit. Rudolf von Roth (1823-1895) als erster Lehrstuhlinhaber war gleichzeitig Direktor der Tübinger Universitätsbibliothek. Heute beherbergt die Bibliothek das Sondersammelgebiet Südasien und ist auch dadurch wieder enger Partner der Indologie. Der vorliegende Band ist eine gemeinsame Initiative beider Einrichtungen, des Seminars für Indologie und Vergleichende Religionswissenschaft und des Sondersammelgebiets der Universitätsbibliothek.

Beiträge:

Einleitung der Herausgeber

Heidrun Brückner & Albrecht Frenz, Zwischen Sprachwissenschaft und Mission: Der Beitrag mit Tübingen verbundener Missionare zur Indienforschung und die Anfänge des Sanskritstudiums in Tübingen

Ulrich Nanko, Zur Geschichte des Lehrstuhls für Indologie und Vergleichende Religionswissenschaft an der Universität Tübingen 1848-1945

Heinrich von Stietencron, Attraktion und Ausstrahlung: Das Wirken Rudolf von Roths

Gabriele Zeller, Rudolf von Roth als Schüler, Lehrer und Kollege im Spiegel von Briefdokumenten

Angelika Malinar, Ksatriya-Glaube und Opferwesen: Richard Garbe und die indischen Religionen

Ulrich Hufnagel, Religionswissenschaft und indische Religionsgeschichte in den Arbeiten Jacob Wilhelm Hauers: Wissenschaftskonzept und politische Orientierung

Horst Junginger, Das "Arische Seminar" an der Universität Tübingen (1940-1945)

Martin Christof, Helmuth von Glasenapp als Indologe und Religionswissenschaftler: Der Hinduismus-Begriff

Klaus Butzenberger, Helmuth von Glasenapps Beiträge zur Jinismus-Forschung

Renate Söhnen-Thieme, Paul Thieme (1905-2001) - Ordinarius für Indologie und Vergleichende Religionswissenschaft an der Universität Tübingen 1960-1973

Über die Autoren dieses Bandes

siehe auch: Böhtlingk-Projekt

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Lehrstuhl für Indologie
Am Hubland
97074 Würzburg

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