Deutsch Intern
    Department of Cultural Studies of East- and South-Asia

    Erfahrungsbericht der Koti-Chennaya-Gruppe

    Bei den Volkshelden Koti und Chennaya handelt es sich um Zwillingsbrüder, die einst in der Udupi-Region im Süden Karnatakas gelebt und sich für Gerechtigkeit eingesetzt haben sollen. Da die Verehrung verstorbener Helden (bhuta-Verehrung) in dieser Region sehr verbreitet ist, hat sich auch um Koti und Chennaya im Laufe der Zeit ein Kult gebildet, in dem die beiden Brüder als Gottheiten verehrt werden. Jährlich findet ihnen zu Ehren in hunderten von Dörfern ein drei Tage währendes Fest statt.

    Der Fokus der Feldforschung lag primär auf der Beobachtung eines solchen dreitägigen Dorffestes (nema). Das hierbei gesammelte Material wurde im Folgenden ausgewertet und noch vor Ort zum Abschluss des Workshops präsentiert.

    Zu Beginn jedoch verschafften wir uns im RRC (Regional Resources Centre) ein Überblick über schon vorhandenes Material zum Kult Koti und Chennayas. Dabei kristallisierte sich heraus, dass das Hauptaugenmerk der Forschungsarbeit vor allem auf vier Aspekten des zu dokumentierenden, sehr komplex gestalteten nema liegen sollte. Zu diesen Aspekten war entweder kein oder nur wenig anschauliches Material im RRC vorhanden:

    1. die Ahnenspeisung (agelu seve)
    2. die Präsentation der beiden Helden anhand von mit Blüten geschmückten Blätterhaufen (bariyas)
    3. die Koragas, eine auf den ersten Blick unscheinbare, aber doch für ein nema wichtige Gruppe der Dorfgemeinschaft
    4. das Mayindala-kola, die Besessenheit eines Tänzers durch die Göttin Mayindala

    Dokumentiert wurde neben einem vollständigen dreitägigen nema in Anjar auch der erste Tag des nema in Bommarabettu, so dass bei der Auswertung des gesammelten Materials an einigen Stellen Vergleiche, insbesondere was das agelu seve betrifft, gemacht werden konnten.

    Da innerhalb des Workshops eine relativ neue Herangehensweise der Feldforschung vermittelt wurde, die man als „community based“ beschreiben kann, arbeitete die Gruppe stets eng mit Vertretern der Dorfgemeinschaft zusammen. So fanden nicht nur viele Interviews mit einzelnen Personen statt, sondern z.B. auch regelmäßige Treffen mit Mitgliedern des Adi Udupi Pratisthan (einer Gesellschaft, die daran interessiert ist, den Kult um K.-C. zu fördern und die auch selbst Material darüber sammelt und veröffentlicht). Ein wichtiger Aspekt der Herangehensweise war außerdem, dass das ganze gesammelte Material bzw. Wissen an die „community“ zurückgegeben wurde. Zum einen in Form einer öffentlichen Präsentation, während der Kritik oder auch Anerkennung von Seiten der Gemeinschaft möglich war. Zum anderen wurde das ganze gesammelte Material dem RRC-Archiv überlassen, wo es nun jedem Interessierten zugänglich ist (zusammen mit den Materialien der Siri-Gruppe wurden insgesamt 1500 Fotos, 20 Stunden Filmmaterial, sowie 1126 Stücke sonstiges Material wie z.B. Notizen oder Tonbandaufnahmen angefertigt).

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